Ich betreibe seit Jahren Mail-Hosting. Und was oft unterschätzt wird: viele Spam-Filter arbeiten stark über IP-Reputation, RBLs und Verhalten. Die Absender-Domain selbst wird dabei selten als eigenständiger Signalträger genutzt.
Ich habe genau dort angesetzt und das Ganze in mein rspamd integriert. Seitdem landen weniger legitime Mails im Spam – und unerwünschte bleiben noch zuverlässiger draußen.
Daraus ist ein Domain-Reputation-Service entstanden.
Was klassische Filter stark macht – und wo sie dünn werden
Die gängigen Spam-Filter beantworten vor allem eine Frage:
„Verhält sich dieser Absender wie ein Spammer?“
Das funktioniert gut bei Massenspam, kompromittierten Systemen und lauten Angriffen – also überall dort, wo Signatur, Volumen und IP-Historie ausreichen.
Schwächer wird es bei:
- gut vorbereiteten Phishing-Kampagnen
- sauber aufgesetzten Scam-Infrastrukturen
- neuen Domains ohne Historie
Und es kostet Operator-Zeit: jede neue Welle bedeutet manuelle Pflege der lokalen Blacklist, bis der Rest des Ökosystems nachzieht.
Die zweite Achse: die Domain selbst
Statt zu fragen „wie verhält sich der Absender?“, fragt der Service:
„Wirkt diese Domain wie eine glaubwürdige Entität?“
Dabei werden ausschließlich technische und strukturelle Signale bewertet – keine Inhalte, keine einzelnen Mails, keine Empfänger-History. Unter anderem:
- DNS- und Mail-Konfiguration (MX, SPF, DMARC)
- TLS-Zertifikat: Issuer, Subject-Org, Alter
- Web-Präsenz und ihre Konsistenz: Impressum, Policy-Seiten, Meta-Daten
- historische Stabilität einer Domain
- aggregierte Traffic-Signale aus Top-Ranglisten
Das Ergebnis ist ein Score von 0 (BAD) bis 9 (TOP). Hoch = glaubwürdig, niedrig = verdächtig. Die genaue Gewichtung bleibt bewusst intern – das Ergebnis ist stabil und nachvollziehbar, aber nicht gezielt auf-trainierbar. Wer seinen Score heben will, muss eine glaubwürdige Domain aufbauen.
So nutzt man ihn
Zwei Wege, den Service anzusprechen:
1. DNS-RBL – der Klassiker für Mail-Server. Eine einfache DNS-Abfrage gegen unsere Zone, Antwort ist ein 127.0.0.x mit dem Score im letzten Oktett:
dig +short vodafone.com.dnsbl.bsnsoft-hostings.de A
# → 127.0.0.2 (Score 7: HIGH)
Kein Agent, kein Proxy, kein SDK – unsere Zone als zusätzlicher RBL-Eintrag im bestehenden Filter genügt.
2. Direkt im Browser unter dnsbl.bsnsoft-hostings.de. Domain eingeben, Score bekommen. Für manuelle Prüfung oder schnelle Zweitmeinung.
Wo der Nutzen im Alltag sitzt
Konkretes Beispiel aus dem eigenen Mail-Hosting: eine Welle von Absender-Domains, die noch kein klassischer Filter kennt. Früher hieß das: Operator in die Logs, Domain manuell in die lokale Blacklist eintragen, Wiederholung für die nächste Welle, und die übernächste.
Mit der Reputation-Zone passiert das ohne Zutun: ab der zweiten Welle liefert der DNS-Query den Score direkt aus, der Filter klassifiziert die Mails ohne manuelle Pflege korrekt. Weniger Incident-Response, weniger After-Hours-Pflege.
Unabhängig von IP und Infrastruktur
Der entscheidende Unterschied zu klassischen IP-RBLs: der Score gilt der Domain, nicht der sendenden IP. Das bedeutet:
- Ein Absender, der zwischen IP-Pools wechselt, behält seinen Score.
- Ein Scam-Kampagnenbetreiber, der frische IPs nutzt, bekommt trotzdem den niedrigen Domain-Score ins Gesicht.
- Seriöse Absender, die hinter einem gemeinsamen Shared-Sender sitzen, werden nicht durch fremde Nachbarn im Pool blockiert.
Selbst ausprobieren
Einfach die eigene Domain oder die Absender-Domain einer Spam-Mail durchlaufen lassen – entweder per dig-Befehl oder im Browser. Mich interessiert, wo ihr landet. Überraschungen dabei?
Für Mail-Hoster und IT-Betreiber
Wenn Sie überlegen, einen Reputation-Score in Ihr rspamd, Postfix-Policy oder einen anderen Filter zu integrieren – ich zeige gerne, wie's konkret geht. Zwei Zeilen Konfiguration, messbares Ergebnis.